Vom WEGLASSEN und DAZUDICHTEN…

Der Mann im Allgemeinen, bis auf die üblichen Ausnahmen, welche wie immer die Regel bestätigen, macht nicht gerne viele Worte. Kurze, präzise Ansagen im Alltag, das Nötigste am Telefon (gerade dann, wenn man(n) sich in derselben Woche auch noch persönlich treffen möchte völlig ausreichend!) sowie der Grundsatz, dass ein NEIN oder ICH DENKE NICHTS auch wirklich das bedeutet, was er sagt, umreissen laut landläufiger Meinung seine Sprachkultur. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass dies auch oft so zutrifft. Beim eigenen Gatten ist zum Glück gerne und oft ein ausführliches, philosophisches Gespräch möglich, beim Telefonieren wird es schon sparsamer und wenn ich NICHTS zu hören bekomme, kann ich mich auf diese Aussage vollends verlassen!
Der Neffenjunge, mittlerweile schon stolze 29 Monate alt und damit nun nicht gerade in der Anfangsphase des Sprechenlernens, hat meines Erachtens die Technik des sparsamen Redens voll verinnerlicht. Er setzt gezielt und präzise nur DIE Silben und Worte ein, welche UNBEDINGT notwendig sind, um seine Interessen (ESSEN, SPIELEN, SAUER SEIN :-) ) zu vertreten. Da gibt es zum Beispiel das WEGLASSEN von einzelnen Buchstaben oder eines ganzen Wortteils:

Hem’ – ist das HEMD
Bro’ – das BROT
Ei’ – Eis (dies immer in einer SEHR kraftvollen Tonlage…)
‘anja – meine WENIGKEIT
Li’ an – man will es hell haben ( bis ich das verstanden hatte….)
‘mibär – die leckere Süßigkeit in Bärenform

Hat man gleichzeitig in einem Anfall von Faulheit noch den Schnuller im Mund, welches ein Nuscheln wie heisse Kartoffel im Mund produziert, rätselt Tante nicht selten an der Bedeutung. Natürlich falsch, zumindest beim ersten Mal. Genervter Kommentar des Mannes im Miniformat:
“Neeeeeheeee *seufz*, ‘aaaaanjaaaaa…. (hier vorwurfsvolle Tonlage!)

Dann gibt es die sog. ERSATZWÖRTER, kurz, prägnant und ebenfalls oft nicht ohne elterliche Übersetzungehilfe verständlich:

ahhhhhhhhhhhh (Tonlage sehnsuchtsvoll wie nach dem ersten Schluck des frischen Fassbieres im Sommer….) – “Ich möchte etwas trinken bitte!”
beepbeep – mitnichten die Hupe des Auto, sondern die Bitte auf der Tastatur schreiben zu dürfen!
Rocky – Universalname für JEDEN Hund des Universums!
Hoppen – Ja, des ist der Gaul oder des Pferdle!
Hallo! – Kein netter Gruß, sondern die Bitte oder nennen wir es AUFFORDERUNG, dem Neffen des Telefon zu reichen!

Ein Telefongespräch ist oft von phänomenal kurzer Dauer oder recht einseitig – auf meine Fragen nach Kindergarten, Spielen, Tagesablauf und den ganzen Rest bekomme ich 4-5 bekannte Wörter hingeknallt, um anschließend mit einem knappen “Gööööö” charmant weggedrückt zu werden – kein Mann langer Worte!

Lustige Verwechslungen und urkomische Situationen entstehen beim Austauschen von Buchstaben. Da ist:

BUTEN – für die weibliche Brust ja noch harmlos

Aber der Versuch keinen Lachanfall zu bekommen, wenn der kleine Mann, in einer Hand einen Lufballon, mit
der Bitte:

“Dietmar pupen!”

vor uns steht, scheitert gnadenlos. Das verständnislose Kindergesicht inklusive…

Und dann kommen diese Momente, wo Neffe in einem Augenblick des nachmittäglichen Beisammenseins völlig lässig seinen Schnuller aus dem Mund zieht, glasklar und mit perfekter Ausprache : “TANJA!” in den Raum wirft und unbeeindruckt sich seinem Spielzeug zuwendet…Männer eben!

One Response to “Vom WEGLASSEN und DAZUDICHTEN…”

  1. Dietmar sagt:

    Endlich ist Deine Blogpause vorbei und gleich so ein toller Eintrag. Einfach wunderbar. Das hier beschriebene kann ich vollends bestätigen. Aber es ist auch erstaunlich wie sehr die Wortfetzen unseres kleinen Neffen immer wieder für Belustigung bei uns Erwachsenen sorgen. Sprache ist schonsehr vielfältig ;)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>